Aktionsseminar gegen Landraub in Linz: Kein Essen im Tank

Aktionsseminar zu Landgrabbing durch den Anbau von Agrartreibstoffen in Sierra Leone und Sambia: Wie können wir etwas dagegen tun und aktiv für das Recht auf Nahrung eintreten?

Wann? Freitag 28.9.2018 und Samstag 29.9.2018

Wo? Volkshaus Kandlheim, Edlbacherstraße 1, 4020 Linz

Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes und der erneuerbaren Energiegewinnung werden in einigen afrikanischen Ländern im großen Maßstab Pflanzen wie Palmöl, Zuckerrohr oder Mais angebaut, um Agrartreibstoffe für den europäischen Markt herzustellen. Europäische Konsummuster im Bereich Mobilität, unser Lebensstil und auch Politikvorgaben aus Europa stehen in einigen Fällen indirekt in Verbindung zu Landnahme in Afrika. Europäische Akteure sind direkt am ausländischen Landerwerb zur Agrartreibstoffproduktion beteiligt.

Dass solche Investitionen nicht zielführend für die Verwirklichung des Menschenrechts auf Nahrung sind, zeigen zahlreiche von FIAN dokumentierte Fallbeispiele. In Sierra Leone und Sambia sind Akteure aus Belgien, Deutschland, Niederlande, UK und auch Österreich involviert. So wurden für das Addax-Agrosprit-Projekt in Sierra Leone riesige Landflächen für mehrere Jahrzehnte verpachtet. Das dort von dem Schweizer Unternehmen im großen Stil gepflanzte Zuckerrohr wird in Bioethanol verwandelt, in erster Linie, um die Nachfrage in Europa zu befriedigen.

Der Verlust von Zugang zu Land hat gravierende Folgen für die Ernährungssituation der Landbevölkerung. Das Projekt gefährdet das Menschenrecht auf Wasser, da in den Trockenmonaten über ein Viertel des Flusswassers abgezweigt werden soll – ohne Rücksichtnahme auf die Menschen flussabwärts. In Sambia verschärft die rasante Expansion des Agribusiness Landkonflikte insbesondere in Gebieten mit fruchtbaren Böden, gutem Zugang zu Wasser und funktionierender Verkehrsanbindung. Ein Agrarunternehmen des auf Mauritius beheimateten Investors Agrivision Africa hat in Sambia in den vergangenen Jahren 17.000 Hektar Land gekauft – Land, auf dem zum Teil lokale Bäuer*innen Produkte für ihre Selbstversorgung anbauten. Die Finanzverknüpfungen des Landdeals führen nach Luxemburg, Deutschland und Österreich.

Es braucht einen Paradigmenwechsel hin zu einer nachhaltigen, ökologischen, multifunktionalen und widerstandsfähigen Landwirtschaft, um den anhaltenden Krisen im Bereich Umwelt, Ernährung und Klima zu begegnen. Wie kann dieser aussehen? Und wie können wir uns aktiv für das Recht auf Nahrung weltweit einsetzen?

In diesem Aktionsseminar wollen wir…

…uns Wissen zu Klimaschutz, Agrartreibstoffe und Landgrabbing aneignen und vertiefen.

…anhand zweier konkreter Fallbeispiel von FIAN in Sierra Leone und Sambia Menschenrechtsarbeit kennenlernen und verstehen.

…Handlungsmöglichkeiten erdenken und konkrete Aktionen planen, um uns für das Recht auf Nahrung weltweit einzusetzen.

Kosten

Die Teilnahme ist für alle kostenlos. Für FIAN-Mitglieder, Aktive, Arbeitslose, Mindestsicherungsbezieher*innen und Geringverdiener*innen, Studierende zudem inkl. Mittag- und Abendessen, alle anderen bitten wir um einen Umkostenbeitrag von 38 Euro. Wir unterstützen auf Anfrage bei Fahrtkosten/Unterbringung in Linz. 

Anfahrt/Unterbringung
Wir werden versuchen Fahrgemeinschaften und von Wien aus Zuggruppentickets zu unterstützen. Für jene, die nicht aus dem Umkreis von Linz kommen oder eine private Schlafgelegenheit haben, werden wir Zimmer in einer Jugendherberge reservieren. 

Anmeldeverfahren

Schicken Sie bei Interesse bis zum 10.September 2018 (es gibt Restplätze - bitte auch nach dem 10.9. anmelden) Ihre Anmeldung und ein paar Worte zu Ihrer Person an office[at]fian.at. Die Zahl der Plätze ist auf maximal 30 Personen begrenzt.

Seminarablauf

Freitag, 28.9.2018 - 13.30 Uhr bis 18.30 Uhr

13.30 Willkommen, Einführung ins Programm, gemeinsames Kennenlernen, Erwartungen an das Aktionsseminar

14.30 Das Menschenrecht auf Nahrung und der Zugang zu Land im Wandel – Von Agrarreform zu Landgrabbing und zur Rolle europäischer Akteure bei Landraub (Brigitte Reisenberger, FIAN Österreich)
Input und Diskussion

16:00 Kaffeepause

16:30 Klima – Agrartreibstoffe – Landraub: Aktuelle Entwicklungen auf EU-Ebene im Bereich Agrartreibstoffe und nachhaltige Energienutzung (Markus Meister, Welthaus Graz)
Input und Diskussion

17.30 Internationale Menschenrechtsmechanismen: FIAN-Fallarbeit und Interventionen verstehen (Brigitte Reisenberger, FIAN Österreich)
Input und Diskussion

18.15 Gemeinsamer Abschluss

18.30 Gemeinsamer Ausklang im Beisl

Samstag, 29.9.2018 - 9.00 Uhr bis 18.30 Uhr

9.00 Gemeinsames Ankommen

Fallarbeit in der konkreten Praxis:

9.15 Verstrickung von Investment-Fonds und Investorennetzwerken und Landgrabbing in Sambia. Zu Recherchearbeit und Interventionen von FIAN in Deutschland. (Roman Herre, FIAN Deutschland)
Input und Diskussion, anschließend Gruppenarbeit.

10.45 Kaffeepause

11.00 Agrartreibstoffe und Entwicklungsfinanzierung in Makeni, Sierra Leone. Zur Arbeit von SiLNoRF mit den betroffenen Gemeinden in Sierra Leone sowie mit NGOs in Europa. (Joseph Saffa, Sierra Leone Network for the Right to Food)
Input und Diskussion, anschließend Gruppenarbeit.

12.30 Mittagessen

14.00 Was kann ich tun? Nachhaltig aktiv werden für das Recht auf Nahrung. Gemeinsam Aktionen planen.
Kurz-Input zu möglichen Aktionsfeldern mit Bildershow 
Gruppenarbeit: Ideensammlung und Ausarbeitung von Aktionsideen

17.00 Zusammentragen der Ideen und Besprechung möglicher nächster Schritte

18.00 Feedbackrunde

18:30 Ende

Referent*innen:

Joseph Saffa (Sierra Leone Network for the Right to Food - SiLNoRF) ist Menschenrechtsaktivist und führt Beratungsworkshops und Workshops zu Landrechten in den betroffenen Gemeinden in Sierra Leone durch. 

Roman Herre ist Agrar-Referent bei FIAN Deutschland. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Landwirtschaft, Landkonflikte und Agrarhandel. Er hat mehrere Recherchereisen u.a. nach Sambia hinter sich und zahlreiche europäische und internationale Studien zu Landgrabbing (mit)verfasst. 

Brigitte Reisenberger (Geschäftsleitung FIAN Österreich). Ihr Arbeitsschwerpunkt ist Landgrabbing und der Zugang zu Land. Sie war 2016 auf Recherchereise für FIAN in Sierra Leone in Gemeinden, die von dem Agrartreibstoffprojekt betroffen sind.

Markus Meister (Welthaus Graz-Seckau) ist Referent für die Bereiche Anwaltschaft, Ernährungssouveränität, Lehrgang "Globales Lernen".

Charlotte Kottusch (Genderbeauftrage im Vorstand von FIAN Österreich) engagiert sich in der Wiener Ernährungsratinitiative, die an der Gründung eines Ernährungsrates für Wien im Oktober 2018 arbeitet.

Das Aktionsseminar wird unterstützt durch: 

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Unser Ernährungssystem braucht eine grundlegende Transformation

Vom 7.9. – 11.9.2020 findet die erste Verhandlungsrunde über die finalen Leitlinien für Nahrungssysteme und Ernährung des UN-Ausschuss für Welternährungssicherheit (CFS) statt. Die Ergebnisse werden einen entscheidenden Einfluss darauf haben, ob es gelingt, die steigenden Raten von Hunger und Unterernährung umzukehren und künftige Pandemien zu verhindern.

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