Right to Food and Nutrition Watch: Digitalisierung löst das Hungerproblem nicht

FIAN und Brot für die Welt legen Bericht "Right to Food and Nutrition Watch" vor

Wien, 12. Oktober 2018. Politik und Agrarindustrie versprechen, dass neue Technologien wie die Digitalisierung den Hunger besiegen können. Die evangelische Organisation für Entwicklungszusammenarbeit Brot für die Welt und die Menschenrechtsorganisation FIAN legen im aktuellen Bericht "Right to Food and Nutrition Watch" dar, wie die Digitalisierung die Auseinandersetzung um Ressourcen sogar verschärfen und eine dezentrale Nahrungsmittel-Versorgung gefährden kann.

Die aktuelle Ausgabe des jährlich erscheinenden Berichtes untersucht, welche Folgen es haben wird, wenn Finanzmärkte und Agrarkonzerne mit Hilfe der Digitalisierung die Kontrolle über Ressourcen wie Boden, Wasser und Saatgut übernehmen und die Produktion von Nahrungsmitteln vom Menschenrecht auf Nahrung abgekoppelt wird.

„Es ist höchste Zeit den Ursachen von Hunger wie ungerechtem Zugang zu Ressourcen, Umweltzerstörung und Kriegen entgegenzuwirken. Geschieht das nicht, rückt das nachhaltige Entwicklungsziel, den Hunger bis 2030 zu überwinden, in immer weitere Ferne“, sagt Nina Hechenberger, Leiterin von Brot für die Welt Österreich. „Wenn Digitalisierung die Umwandlung öffentlicher Güter wie Wasser in internationale Handelsware vorantreibt, wird sich die Lage der Ärmsten zusehends verschlimmern.“ Hinzu kommt, dass Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die einen Großteil der Lebensmittel erzeugen, seit Jahrzehnten systematisch in unfruchtbare und abgelegene Gebiete abgedrängt werden und einem unfairen globalen Wettbewerb ausgesetzt sind.

KleinbäuerInnen profitieren nicht von Digitalisierung
„Für die Mehrzahl der bäuerlichen Betriebe bietet die Digitalisierung keine Lösungen an, sondern verschärft noch die Probleme“, erklärt Melanie Oßberger von FIAN Österreich. Die Digitalisierung kann die Spaltung zwischen armen Bauerngruppen und kapitalkräftigen Agrarunternehmen weiter vertiefen und die Konkurrenz um Land, Wasser und Saatgut weltweit noch verschärfen. „Wichtige Gründe für die hohen Hungerzahlen – die Diskriminierung von Frauen und ländlicher Bevölkerung, Landgrabbing und die erzwungene Öffnung der Agrarmärkte in Entwicklungsländern – lassen sich nicht technisch lösen“, so Oßberger. Dies zeigt sich beispielsweise in Südamerika, wo die Hungerzahlen seit 2012 wieder steigen: In den letzten fünf Jahren waren dort 2,2 Millionen Menschen zusätzlich von schwerem Hunger betroffen; gleichzeitig produziert die dortige hochtechnisierte Agrarindustrie statt den Hunger vor Ort zu bekämpfen immer gewaltigere Mengen, die jedoch überwiegend exportiert werden – 2016 alleine 70 Millionen Tonnen Getreide und 120 Millionen Tonnen Soja.

Brot für die Welt und FIAN geben seit zehn Jahren den "Right to Food and Nutrition Watch" heraus. Das Recht auf Nahrung ist im UN-Sozialpakt als Menschenrecht verankert. In den Nachhaltigen Entwicklungszielen haben die Vereinten Nationen vereinbart, bis 2030 das Recht auf Nahrung für alle Menschen zu verwirklichen. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Hungernden zum zweiten Mal in Folge wieder gestiegen, auf nun 821 Millionen Menschen.

Der "Right to Food and Nutrition Watch" wird am 15. Oktober 2018 bei der Sitzung des Komitees für Welt-Ernährungssicherheit (Committee on World Food Security, CFS) in Rom offiziell vorgestellt. Der Bericht hat einen Umfang von 48 Seiten und erscheint in englischer, französischer, portugiesischer und spanischer Sprache.  Eine gedruckte Ausgabe senden wir ebenfalls gerne zu.

Kontakt:
Mag.a Melanie Oßberger
Projektkoordinatorin FIAN Österreich
melanie.ossberger@fian.at
0650/ 7002820
 

Unser Ernährungssystem braucht eine grundlegende Transformation

Vom 7.9. – 11.9.2020 findet die erste Verhandlungsrunde über die finalen Leitlinien für Nahrungssysteme und Ernährung des UN-Ausschuss für Welternährungssicherheit (CFS) statt. Die Ergebnisse werden einen entscheidenden Einfluss darauf haben, ob es gelingt, die steigenden Raten von Hunger und Unterernährung umzukehren und künftige Pandemien zu verhindern.

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