Entwicklungsorganisationen für Regulierung von Neuer Gentechnik in Landwirtschaft

Petition: Biologische Vielfalt, Recht auf Saatgut und kleinbäuerliche Landwirtschaft schaffen weltweite Ernährungssicherheit

Wien - Brot für die Welt, Dreikönigsaktion, FAIRTRADE Österreich, FIAN und GLOBAL 2000 sprechen sich für die Regulierung von Neuer Gentechnik (NGT) in der Landwirtschaft aus. Unter dem Vorwand der Sicherung der Welternährung versuchen Saatgut- und Chemiekonzerne derzeit das bestehende EU-Gentechnikrecht auszuhebeln. Ein Vorschlag für die Deregulierung wurde von der EU-Kommission für das 2. Quartal 2023 angekündigt. Gegen diese Vorstöße läuft noch bis zum 20. November 2022 die Petition “Pickerl drauf!”, die EU-weit bereits mehr als 400.000 Menschen unterschrieben haben.
 

Aufweichung des EU-Gentechnikrechts steht eindeutig im Widerspruch zu staatlichen Menschenrechtsverpflichtungen.

Lukas Schmidt, Geschäftsleiter der Menschenrechtsorganisation FIAN Österreich erläutert: „Eine Aufweichung des EU-Gentechnikrechts steht eindeutig im Widerspruch zu den staatlichen Menschenrechtsverpflichtungen, denn der Zugang zu und die Kontrolle über Saatgut sind entscheidend für die Verwirklichung des Rechts auf Nahrung. Kleinbäuerliche und indigene Saatgutsysteme spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Menschen ein würdevolles Leben zu ermöglichen, sich direkt von produktivem Land zu ernähren und Widerstandsfähigkeit gegenüber den vielfältigen Herausforderungen der Klimakrise sowie der Übernahme unabhängiger, lokaler Ernährungssystemen durch multinationale Konzerne zu entwickeln.“

„Statt mit neuer Gentechnik auf ein ‚Weiter so’ in der Landwirtschaft zu setzen, muss sich das Agrarsystem grundsätzlich ändern. Für die Sicherung der Welternährung ist die Wahrung der Rechte von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen notwendig, auch ihr Recht auf Saatgut. Agrarökologie intensiviert die Produktion von Nahrung dort, wo sie am notwendigsten ist – im Einklang mit der Natur und den lokalen sozialen Bedingungen. Unsere Projektpartner:innen lehnen die neue Gentechnik ab, da sie dem Umbau unserer Agrarsysteme im Sinne der Agrarökologie entgegensteht: Sie brauchen Unterstützung für lokal angepasste Lösungen und kein teures Gentechnik-Saatgut, das lokale Sorten verdrängt”, betont Isabelle Schützenberger von der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar.

Hartwig Kirner, Geschäftsführer FAIRTRADE Österreich berichtet: „Gentechnisch verändertes Saatgut hat negative Auswirkungen auf die Bauernfamilien. Sie werden durch teures Saatgut in Abhängigkeiten gedrängt und sind vor allem durch den meist notwendigen erhöhten Pestizideinsatz und die Ausbreitung von resistenten Pflanzenschädlingen betroffen. Die FAIRTRADE-Umweltstandards verbieten daher die Verwendung von gentechnisch verändertem Saatgut ausdrücklich.“

Die Annahme, dass wir gentechnisch verändertes (GV) Saatgut brauchen, um mehr Erträge zur Sicherung der Welternährung zu erzielen, hält einer umfassenden Prüfung nicht stand. Rein rechnerisch erzeugt die globale Landwirtschaft bereits jetzt ausreichend Nahrungsmittel, um alle Menschen zu ernähren. „Trotz steigender Produktion erreichen die Lebensmittel jedoch nicht die Teller der ärmsten Menschen. Das liegt an der ungerechten Verteilung“, betont der evangelische Bischof und Schirmherr von Brot für die Welt, Michael Chalupka, der vor negativen Auswirkungen von Patentierungen gentechnisch veränderten Saatguts auf Kleinbäuerinnen warnt. „Ob Heilsversprechen, das halten können, was sie versprechen, zeigt oft der Blick darauf, wer an ihnen verdient“, betont Chalupka. Auch vermeidbare Lebensmittelverschwendung und der verfehlte Einsatz von Lebensmitteln – z.B. als Tierfutter – führt zu Hunger. Es ist sogar ein Großteil des angebauten Sojas, der der Herstellung von Futtermitteln für die Massentierhaltung dient.

“Pickerl drauf!”, die Initiative der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000, hat EU-weit bereits mehr als 400.000 Unterschriften und läuft noch bis Sonntag, den 20. November 2022. Die Initiative fordert in Österreich Gesundheitsminister Rauch, Landwirtschaftsminister Totschnig und Umweltministerin Gewessler auf, sich bei der EU-Kommission für die strenge Regulierung und Kennzeichnungspflicht von NGT in Lebensmitteln einzusetzen. “Die Zukunft liegt in einer vielfältigen Landwirtschaft und Welternährung – die Hand in Hand mit echtem Klima- und Umweltschutz geht”, fasst Brigitte Reisenberger, Gentechniksprecherin von GLOBAL 2000 zusammen.

Kontakt GLOBAL 2000: Selina Englmayr

Kontakt FIAN: Tina Wirnsberger

Noch bis 20. November unterzeichnen: Pickerl drauf!

 

Konzerne müssen für Menschenrechts- und Umweltverbrechen zur Rechenschaft gezogen werden

Transnationale Konzerne und Unternehmen, die Lieferketten kontrollieren, bleiben in der Regel straffrei, wenn es um Menschenrechtsverletzungen geht, die oft mit Landraub und Umweltverschmutzung zusammenhängen. Am Montag, 24. Oktober, treffen sich Staaten eine Woche lang im UN-Menschenrechtsrat in Genf, um die langjährigen Verhandlungen über ein Abkommen fortzusetzen, das sie zur Verantwortung ziehen soll.

Kambodscha: Von deutscher Bundesregierung geförderte Studie bestätigt gravierende Probleme im Mikrokreditsektor

Eine vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte Studie bestätigt das Problem der weitverbreiteten Überschuldung in Kambodscha durch Mikrokredite. Dieses führt zu einer „bedenklich hohen“ und „nicht akzeptablen“ Zahl von Landverkäufen. Wichtige Geber des kambodschanischen Mikrofinanzsektors sind verschiedene europäische und multinationale Entwicklungsbanken sowie private „ethische“ Investoren wie Oikocredit, Triodos Bank, Invest in Visions, Vision Microfinance und mit kleineren Beträgen die Bank im Bistum Essen und GLS Bank.
 

Eine Existenzsicherung, die vor Armut schützt, ist dringend notwendig!

2021 waren 17% der Bevölkerung in Österreich armutsbetroffen, wovon fast ein Viertel Kinder sind. Das sind 1.519.000 Menschen, davon 368.000 Kinder. Angesichts der Teuerung von Nahrungsmitteln und Energie steigt die Nachfrage bei Sozialmärkten und anderen Ausgabestellen, wo Lebensmittel zu stark reduzierten Preisen oder umsonst verteilt werden. Ein Mittel, um Armut nachhaltig zu bekämpfen sind sie jedoch nicht. Es braucht Maßnahmen der öffentlichen Hand, die die Existenzsicherung und somit auch das Recht auf Nahrung gewährleisten.

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