EU, schütze unsere Bauern und Bäuerinnen und unsere Ernährungssysteme!

Ende September wird im UN-Menschenrechtsrat über die UN-Erklärung der Rechte von Kleinbäuer*innen abgestimmt. Österreich kommt dabei in seiner Rolle als EU-Ratsvorsitz bei der Koordinierung der europäischen Position eine zentrale Rolle zu. Wir fordern die europäischen Regierungen dazu auf, die UN-Erklärung zu unterstützen! Sie wäre ein wirkungsvolles rechtliches Instrument gegen Menschenrechtsverletzungen wie Landraub, Biopiraterie und ausbeuterische Arbeitsbedingungen. Diese Erklärung würde eine solide Grundlage für die Verteidigung von gesunden, nachhaltigen Ernährungssystemen bieten.

 

Warum ist das wichtig?

Die Verhandlungen für eine UN-Erklärung für die Rechte der ländlichen Bevölkerungen könnten Geschichte schreiben: sie würde die Rechte der Bäuerinnen und Bauern auf die Versorgung ihrer Gemeinden sichern, sowie ihren Lebensraum und die nachhaltigen und vielfältigen Ernährungssysteme, die uns alle ernähren, schützen.

Doch nach 15 Jahren Mobilisierung durch Bauernorganisationen weltweit ist diese Initiative in Gefahr. Der Prozess in der UN könnte während der nächsten Verhandlungsrunde im UN-Menschenrechtsrat vom 14. bis 28. September durch europäische Regierungen behindert werden. Eine internationale Delegation von Bauern und Bäuerinnen wird zu dieser Gelegenheit in Genf sein und entschlossen ihre Rechte einfordern. Sie rufen uns alle dazu auf, zusammen mit ihnen diese Erklärung zu verteidigen!

Bitte hier unterzeichnen

Download.jpg

Trage dazu dabei, diesen historischen Prozess zu verteidigen und damit auch die Zukunft unseres Planeten.

Gerade in Osteuropa, wo die Großzahl der europäischen LandwirtInnen angesiedelt ist, ist die Deklaration von besonderer Wichtigkeit. 10 Millionen Menschen in dieser Region, die in ländlichen Gebieten leben und arbeiten, benötigen die Unterstützung ihrer Regierung für die Deklaration.

Lasst uns eine starke Botschaft aus allen Teilen Europas an die europäischen Regierungen und die EntscheidungsträgerInnen schicken: Es ist dringend notwendig, dass sie diese Erklärung unterstützen!

Unsere Unterschriften werden den europäischen Regierungen während der kommenden Verhandlungen des Menschenrechtsrats (und falls nötig ebenfalls bei der folgenden Sitzung) überreicht, um zu verdeutlichen, dass es seitens der europäischen Öffentlichkeit große Unterstützung für ländliche Gemeinden und nachhaltige Ernährungssysteme gibt.

Diese Erklärung ist eine klare Anerkennung der grundlegenden Rolle von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, sowie von kleinstrukturierten NahrungsmittelproduzentInnen. Sie würde ihnen konkrete Perspektiven für würdevolle Arbeits- und Lebensbedingungen ermöglichen. Trotz der Tatsache, dass die Landwirtschaft in Europa besonders industrialisiert ist, bilden Kleinbauern und -bäuerinnen und ihre Produktionsweise die Basis für qualitativ hochwertige Nahrung, für die Schaffung des Großteils der Arbeitsplätze in ländlichen Regionen, für die nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen und für wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel. Dennoch verschwinden Höfe in atemberaubender Geschwindigkeit: Gründe dafür sind das Fehlen von angemessenen Einkommen, Landraub und mangelnde Unterstützung vonseiten der öffentlichen Institutionen. Dies erfolgt zugleich zugunsten der Expansion großer agroindustrieller Konzerne, welche zunehmend die Nahrungsgewohnheiten der Menschen bestimmen.

Gerade in Osteuropa, wo die Großzahl der europäischen Bauern und Bäuerinnen leben, ist diese UN-Erklärung extrem wichtig. Die Millionen Menschen in dieser Region, die in ländlichen Gebieten leben und arbeiten, benötigen die Unterstützung ihrer Regierung für diese Erklärung.

70 Prozent der weltweit produzierten Nahrungsmittel stammen aus bäuerlicher Landwirtschaft. Hirtenvölker, FischerInnen, Bauer und Bäuerinnen sind die BewahrerInnen der Biodiversität und garantieren nachhaltige und qualitativ hochwertige Lebensmittel! Sie bieten zugleich Alternativen zur großflächigen industriellen Landwirtschaft. Dennoch werden die Existenzgrundlagen ländlicher Gemeinden und nachhaltiger, gesunder Ernährungssysteme vielfach gefährdet: Durch öffentliche Finanzierungen der Agroindustrie, durch Landraub, durch Biopiraterie von Saatgut, sowie durch schädliche Freihandelsabkommen. Deshalb brauchen sie unsere Unterstützung.

Die Rechte von Bäuerinnen und Bauern können mit Hilfe einer UN-Erklärung geschützt werden und wir können dazu beitragen: Wir müssen Druck auf unsere Außenministerien ausüben, damit sie diese Erklärung unterstützen! Diese Erklärung wäre ein konkretes Instrument, um die Verletzung der Rechte von ländlichen Gemeinden zu stoppen: Bäuerinnen und Bauern könnten ihre spezifischen Rechte einfordern: Beispielsweise ihr Recht auf Land, ihr Recht auf angemessenes Einkommen und ihr Recht auf Saatgut. Darüber hinaus wäre die Erklärung ein internationales Instrument, dessen Umsetzung von Regierungen und internationalen Institutionen respektiert, geschützt und gewährleistet werden muss.

Indien: Kleinbäuer:innen in Odisha weiterhin von Vertreibung und Umweltzerstörung bedroht

Seit 2005 protestiert die Landbevölkerung im Bezirk Jagatsinghpur (Bundestaat Odisha) gegen Umweltzerstörung und die unrechtmäßige Aneignung ihres Landes. Dort sollen Industrieanlagen und Infrastruktur – darunter Stahl- und Zementwerke, ein Kraftwerk und ein Hafen – errichtet werden. FIAN Österreich rief in Zusammenarbeit mit FIAN International im März 2022 zu einer Briefaktion auf, um mehr als 40.000 Kleinbäuer*innen, Landarbeiter*innen und Fischer*innen vor dem Verlust ihrer Lebensgrundlagen zu schützen. Zu Jahresbeginn berichtet der Sprecher der Bewegung von Polizeirepression, gewaltsamen Übergriffen und zunehmenden Festnahmen und erneuert dringend die Forderungen.

Das Recht auf Nahrung in Europa

Die Ernährungsunsicherheit und Armut nehmen weltweit zu. Auch in Europa. Nach Schätzungen von Eurostat waren 21,7% der EU-Bevölkerung im Jahr 2021 armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Viele stellen sich u.a. die Frage: Heizen oder Essen? Die existierenden Maßnahmen und Programme kommen für viele zu kurz. Es ist essenziell, dass die Staaten den Zugang zu einer selbstbestimmten, angemessenen und ausreichenden Ernährung sichern.

Mikrofinanzkrise: OECD-Beschwerde gegen Oikocredit

Mikrokredite entpuppen sich in Kambodscha seit Jahren als Schuldenfalle. Während sie europäischen Investoren Profite bringen, führen sie vor Ort zu Landverlust, Armut und Menschenrechtsverletzungen. Trotzdem hat der sogenannte „ethische“ Investor Oikocredit seine Investitionen in Kambodscha sogar noch erhöht. Drei NGOs legen daher nun Beschwerde gegen Oikocredit bei der OECD ein.

Konzerne müssen für Menschenrechts- und Umweltverbrechen zur Rechenschaft gezogen werden

Transnationale Konzerne und Unternehmen, die Lieferketten kontrollieren, bleiben in der Regel straffrei, wenn es um Menschenrechtsverletzungen geht, die oft mit Landraub und Umweltverschmutzung zusammenhängen. Am Montag, 24. Oktober, treffen sich Staaten eine Woche lang im UN-Menschenrechtsrat in Genf, um die langjährigen Verhandlungen über ein Abkommen fortzusetzen, das sie zur Verantwortung ziehen soll.

nach oben