Land Grabbing: Agrartreibstoffprojekt in Sierra Leone

Verwicklungen von OeEB und ADA Bislang wurden in Sierra Leone Landpachtverträge mit Investor_innen bis zu einer Million Hektar Land abgeschlossen – 18 Prozent der kultivierbaren Fläche des Landes. Diese Landtransfers haben enorme Auswirkungen auf das Menschenrecht auf Nahrung und Wasser für weite Teile der Bevölkerung.

Der Emerging Africa Infrastructure Fund (EAIF) co-finanziert das Schweizer Unternehmen Addax Bioenergy in Sierra Leone.[ii] Für das Projekt werden riesige Landflächen für mehrere Jahrzehnte gepachtet. Das dort im großen Stil gepflanzte Zuckerrohr wird in Bioethanol verwandelt, in erster Linie, um der Nachfrage in Europa zu befriedigen. Der Verlust des Zugangs zu Land hat gravierende Folgen für die ansässige Landbevölkerung. Laut dem sierra-leonischen Netzwerkes zum Recht auf Nahrung SiLNoRF gefährdet das Projekt die Ernährungssicherung der Bäuerinnen und Bauern vor Ort.[iii]

Die Oesterreichische Entwicklungsbank (OeEB) hat einen laufenden Kredit an den Emerging Africa Infrastructure Fund Ltd. (EAIF), der im Eigentum der "Private Infrastructure Development Group" (PIDG) steht. PIDG ist wiederum durch den Zusammenschluss von Geber-Institutionen aus verschiedenen europäischen Ländern – darunter auch Österreich (Austrian Development Agency, ADA) - entstanden.[iv]   

Das Addax Bioenergy Projekt in Sierra Leone wurde im September 2011 von WaterLex auch in Hinblick auf das Recht auf Wasser untersucht  - mit dem Schluss, dass unterschiedliche Aspekte des Projekts ein hohes Risiko für Verletzungen des Menschenrechts auf Wasser der lokalen Bevölkerung darstellen. Das Projekt wird laut Bericht in den Trockenmonaten 26% des Flusswassers des Rokel für seine Zwecke abzweigen, ohne Rücksichtnahme der Nutzer_innen flussabwärts.[v] 

FIAN Österreich fordert: Die Österreichische Entwicklungsbank und die Austrian Development Agency müssen auf die Vorwürfe aus Sierra Leone reagieren und dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen – auch wenn sie das Projekt nur indirekt unterstützen. Es gilt die Mitverantwortung für die Risiken und Auswirkungen des Addax-Projekts in Sierra Leone wahrzunehmen. Entwicklungsgelder müssen für die Verwirklichung der Menschenrechte eingesetzt werden, nicht für deren Aushöhlung.

VertreterInnen von FIAN Österreich, Brot für alle und dem VIDC haben sich bereits mit VertreterInnen der Österreichischen Entwicklungsbank und der Austrian Development Agency zu einem Gespräch über das Addax-Projekt getroffen und werden über neue Entwicklungen berichten. 

(Wien, 11.4.2013)

Informationen zu Addax Bioenergy von Brot für alle: www.brotfueralle.ch/addaxbioenergy 

Rückfragehinweis: Brigitte Reisenberger, FIAN Österreich
brigitte.reisenberger@fian.at Tel: 01 23 50 239 11 oder Mobil: 0699 18 33 00 33

 (Foto: Brot für alle)

Philippinen: „Agrarreform bleibt ein unerfülltes Versprechen“ – Interview mit Joseph Purugganan

Die vorherrschende Meinung sieht drei Hauptgründe für die anhaltenden Ernährungsprobleme: die COVID-Pandemie, den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und den Klimawandel. Joseph Purugganan hingegen bezeichnet die globale Ernährungskrise als eine Folge der industriellen Landwirtschaft. Purugganan koordiniert das Philippinen-Programm von Focus on the Global South. Die Organisation ist eng verbunden mit sozialen Bewegungen in Asien und entwickelt Konzepte für einen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Wandel.

Kambodscha: Präsident des Bauernverbands und Landrechtsaktivisten wegen Verschwörung angeklagt

Drei kambodschanische Menschenrechtsverteidiger wurden Anfang vergangener Woche festgenommen und wegen angeblicher Verschwörung gegen den Staat angeklagt. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft. In dem autoritär geführten südostasiatischen Land steht die Zivilgesellschaft massiv unter Druck; Menschenrechtsaktivist*innen werden immer wieder mit fabrizierten Anklagen überzogen und inhaftiert.

Mikrofinanzkrise: OECD-Beschwerde gegen Oikocredit

Mikrokredite entpuppen sich in Kambodscha seit Jahren als Schuldenfalle. Während sie europäischen Investoren Profite bringen, führen sie vor Ort zu Landverlust, Armut und Menschenrechtsverletzungen. Trotzdem hat der sogenannte „ethische“ Investor Oikocredit seine Investitionen in Kambodscha sogar noch erhöht. Drei NGOs legen daher nun Beschwerde gegen Oikocredit bei der OECD ein.

Kambodscha: Von deutscher Bundesregierung geförderte Studie bestätigt gravierende Probleme im Mikrokreditsektor

Eine vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte Studie bestätigt das Problem der weitverbreiteten Überschuldung in Kambodscha durch Mikrokredite. Dieses führt zu einer „bedenklich hohen“ und „nicht akzeptablen“ Zahl von Landverkäufen. Wichtige Geber des kambodschanischen Mikrofinanzsektors sind verschiedene europäische und multinationale Entwicklungsbanken sowie private „ethische“ Investoren wie Oikocredit, Triodos Bank, Invest in Visions, Vision Microfinance und mit kleineren Beträgen die Bank im Bistum Essen und GLS Bank.
 

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