30 Jahre Einsatz für das Recht auf Nahrung

Seit 30 Jahren engagiert sich FIAN für eine Welt, in der alle Menschen frei von Hunger leben. 

Foto von Phuc ( Xù ) Pham von Pexels

Eine Welt, in der alle Menschen ausreichend und gesundes Essen zur Verfügung haben. Eine Welt, in der Kleinbäuer*innen Zugang zu Ressourcen wie Land, Saatgut und Wasser haben, um ein Leben in Würde zu führen. FIAN unterstützt Betroffene von Verletzungen des Rechts auf Nahrung bei der Verteidigung ihrer Rechte bei den Vereinten Nationen, nationalen Gerichten oder Regierungen. Angemessene Ernährung, Zugang zu Land, Wasser oder Saatgut sind keine milden Gaben, sondern Rechte.

Das Menschenrecht auf Nahrung ist bereits in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert. 1966 ging daraus der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte hervor. Hier wurde das Recht auf Nahrung in Artikel 11 noch einmal als Recht auf „ausreichende Ernährung“ und „grundlegendes Recht eines jeden, vor Hunger geschützt zu sein“, definiert. Ende der 1980er schloss sich eine Gruppe von engagierten Menschen zusammen, um für die Verwirklichung des Menschenrechts auf Nahrung zu kämpfen. Mittlerweile hat FIAN International Mitglieder in über 50 Ländern auf allen fünf Kontinenten. In über 20 Ländern gibt es nationale Vertretungen. Im Winter 1989 wurde die nationale Sektion FIAN Österreich gegründet. Der Sitz von FIAN Österreich war bis 1999 in der kleinen Mühlviertler Gemeinde Sarleinsbach, in der sich bald Gäste aus der ganzen Welt die Türklinke in die Hand gaben. Der Standort auf dem Land war eine Besonderheit und prägte sehr grundlegend den Zugang zu den Themen Nahrung, Landwirtschaft und Solidarität.

Aktiv gegen Landraub in Sierra Leone: Trainings zu Landrechten mit Bäuer*innen

FIAN war eine der ersten Organisationen, die auf den globalen Landraub aufmerksam machte. Ländlichen Gemeinden wurde in den letzten Jahren von Agrarkonzernen regelrecht der Boden unter den Füßen weggezogen – insbesondere für Agrartreibstoffe in Europa. FIAN benennt die Verantwortlichen für Landraub – auch hier in Österreich und der EU – und unterstützt die Betroffenen dabei, ihre Rechte einzufordern. FIAN ermöglichte in Makeni, Sierra Leone, Trainings mit dem Ziel, Kleinbäuer*innen über ihre Landrechte zu informieren und in ihren Verhandlungsfähigkeiten gegenüber Agrarinvestoren zu stärken. Für unseren Partner vor Ort, der Menschenrechtsorganisation SILNORF, ein wichtiger Schritt in die Zukunft: „Hätten die Menschen in Makeni ein solches Training vor zehn Jahren bekommen, wären sie dem Agrarkonzern damals definitiv anders gegenüber getreten. Die Arbeit in den Gemeinden zahlt sich aus. Das konnte in den Treffen zwischen den Firmenanwälten und den Kleinbauern beobachtet werden. Letztere beharrten nun stärker auf ihre Rechte und die Berücksichtigung ihrer Interessen.” Brigitte Reisenberger, Ko-Geschäftsleiterin von FIAN Österreich ergänzt: „Wir fordern bei Verletzungen des Menschenrechts auf Nahrung Rechenschaft ein und fordern Politik, die Menschenrechte zum Maßstab hat. Nun steht womöglich eine Umsiedlung des Dorfes Tonka bevor – bleiben Sie mit uns dran! Ihre Unterstützung brauchen die Bäuer*innen mehr denn je!“

Riesenerfolg für die Rechte von Kleinbäuer*innen: Hartnäckige Lobbyarbeit von FIAN zahlt sich aus

FIAN hat Beraterstatus bei den Vereinten Nationen und auch auf UN-Ebene in den letzten 30 Jahren einiges bewegt. Im Dezember 2018 hat die UN-Vollversammlung die „UN-Erklärung der Rechte von Kleinbäuer*innen“ in Kraft gesetzt. Darin ist auch das Recht auf Land von Kleinbäuer*innen erstmals direkt verbrieft. Die jahrelangen, schwierigen Verhandlungen haben gezeigt, dass sich ohne den Druck von FIAN wenig bewegt. „FIAN hat über Jahre ein Bündnis bäuerlicher Organisationen und Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen aufgebaut, das nun fordert: Die österreichische Bundesregierung muss die UN-Erklärung schnellstmöglich umsetzen. Wir werden uns weltweit mit langem Atem für die Rechte von Kleinbäuer*innen stark machen!“, so Melanie Oßberger, Ko-Geschäftsleiterin von FIAN Österreich.

Soziale Rechte in Österreich stärken: Mit Recht gegen Armut ankämpfen!

FIAN widmet sich seit einigen Jahren auch immer mehr dem Recht auf Nahrung in Österreich. Denn auch in Österreich sind Menschen auf Lebensmittelspenden durch Tafeln oder Sozialmärkte angewiesen. FIAN wirkte federführend an der Initiierung des SozialRechtsNetzes mit. Das SozialRechtsNetz wurde auf Initiative einiger Organisationen der Armutskonferenz ins Leben gerufen, um Armutsgefährdete und –betroffene in Österreich kostenlos bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu unterstützen. „Wir haben bereits die ersten Beschwerden bei den Verwaltungsgerichten eingebracht und so Betroffenen bei der Durchsetzung ihrer Rechte geholfen. Denn darum geht es im Kern: Personen, denen der Zugang zu ihren sozialen Rechten verweigert oder erschwert wird, in schwierigen Einzelfällen kostenlose, qualifizierte Rechtsvertretung zu ermöglichen und Musterverfahren zu führen. Es kann nicht sein, dass Österreich, eines der wohlhabendsten Länder dieser Welt, das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard verletzt und die Betroffenen nur einen erschwerten Zugang zum Recht haben.“, so Angelina Reif, Vorsitzende von FIAN Österreich.

Das 30-jährige Jubiläum begeht FIAN Österreich mit spannenden Diskussionen und Feierlichkeiten am 28./29. November 2019 in Wien. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Terminhinweise:

Paneldiskussion „Social Rights for Future“
Do, 28.11.2019, 18 – 20 Uhr
Volksanwaltschaft, Singerstraße 17, 1015 Wien
Paneldiskussion mit Michael Windfuhr (Deutsches Institut für Menschenrechte), Ulrike Lunacek (ehem. EU-Parlament), Marianne Schulze (SozialRechtsNetz), Ana Maria Suarez-Franco (FIAN International), moderiert von Irene Brickner (Der Standard).

Fest: 30 Jahre Einsatz für das das Menschenrecht auf Nahrung
Fr, 29.11.2019, ab 17.30 Uhr
Burgenländisch-kroatisches Zentrum, Schwindgasse 14/4, 1040 Wien

Fishbowl-Gespräch zu Errungenschaften und Zukunftsperspektiven u.a. mit Michael Windfuhr (Deutsches Institut für Menschenrechte), Ana Maria Suarez (FIAN International) und Angelina Reif (FIAN Österreich). Neben Ausstellung und Tombola erwartet alle Gäste ein Fest mit literarischen und musikalischen Beiträgen von Antonio Fian, den Poetry Slammern von FOMP, Cafe Olga Sanchez und DJ Phil (L!pp der Funkverteiler).

Einladung:  www.fian.at/30jahre

Meilensteine: Rückblick 30 Jahre FIAN Österreich und Grußworte von Mitstreiter*innen

Rückfragen und Interviewvermittlung:
Brigitte Reisenberger, Ko-Geschäftsleiterin FIAN Österreich, brigitte.reisenberger@fian.at , 0699 18330033

Unser Ernährungssystem braucht eine grundlegende Transformation

Vom 7.9. – 11.9.2020 findet die erste Verhandlungsrunde über die finalen Leitlinien für Nahrungssysteme und Ernährung des UN-Ausschuss für Welternährungssicherheit (CFS) statt. Die Ergebnisse werden einen entscheidenden Einfluss darauf haben, ob es gelingt, die steigenden Raten von Hunger und Unterernährung umzukehren und künftige Pandemien zu verhindern.

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