Frauen als Protagonistinnen im Kampf gegen Mangel und Hunger

Im Ernährungssystem spielen Frauen eine tragende Rolle und sind zugleich Betroffene schwerwiegender Diskriminierung. Trotz ihrer wichtigen Rolle in Anbau, Verarbeitung und Lagerung von Nahrungsmitteln sind über 60 Prozent der weltweit von Nährstoffmangel betroffenen Menschen weiblich, und das überwiegend am Land. Ihr Zugang zu gesunder Ernährung ist eingeschränkt, denn patriarchale Machtstrukturen und Menschenrechtsverstöße durch Konzerne untergraben ihr Recht auf Nahrung. Die Stärkung ihrer politischen Teilhabe und ökonomischen Rechte muss im Zentrum von Entwicklungsstrategien und Landwirtschaftspolitik stehen, sollen Hunger und Mangelernährung nachhaltig überwunden werden.

Public policies for food sovereignty

Die erste Ausgabe der "Think Piece Series Food for Thought" befasst sich mit der politischen Bedeutung von öffentlicher Maßnahmen zur Unterstützung der Ernährungssouveränität.

Öffentliche Politiken spielen eine entscheidende Rolle dabei, wie die Zukunft unserer Agrar- und Ernährungssystemen aussieht: Sie können rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, um die Verwirklichung des Rechts auf Nahrung zu gewährleisten; Investitionen in kleinbäuerliche Landwirtschaft stärken; und gesellschaftliche Ressourcen zur Unterstützung nachhaltiger Ernährungssysteme auf der Grundlage von menschenwürdiger Arbeit, Umweltintegrität und Gesundheit mobilisieren.

Gegenwärtig sind öffentlichen Maßnahmen jedoch stark auf eine wettbewerbsfähige, spezialisierte und industrielle Form der Landwirtschaft ausgerichtet. Dies macht deutlich, dass öffentliche Maßnahmen Werkzeuge sind, nicht Selbstzweck. Ohne eine solide theoretische Grundlage für einen Wandel hin zu einem ökologisch und sozialgerechten Ernährungssystems, werden die öffentliche Politiken nicht in der Lage sein, den Herausforderungen von Ernährung und Landwirtschaft im 21. Jahrhundert zu begegnen.

Die Publikation vom Transnational Institute, FIAN International, Hands on the Land und Terra Nuova, untersucht diese Diskussion.

Mit Agrarökologie für das Recht auf Nahrung

Nur mit Vielfalt kann Hunger und Mangelernährung beendet werden. Agrarökologie verbessert die Ernährung, denn größere Vielfalt im Anbau bedeutet auch eine größere Vielfalt auf dem Teller. Agrarökologie ist die Grundlage für die Überwindung der industriellen Landwirtschaft. Der ganzheitliche Ansatz rückt die kleinbäuerliche Landwirtschaft ins Zentrum. Er steigert die Produktivität und schützt das Klima. Durch bäuerliche Partizipation werden innovative Methoden entwickelt, um die Welt nachhaltig zu ernähren. Eine Vielzahl an Beispielen aus aller Welt veranschaulichen das Potenzial von Agrarökologie und dessen ganzheitlichen Charakter.

Right to Food and Nutrition Watch 2017

Während der großen Nahrungsmittelpreiskrise 2007/2008 waren die Zahl der Hungernden auf einem Höhepunkt. Heuer bestehen, trotz einiger Fortschritte, viele der Probleme, die zur Krise führten, weiterhin. In ihren Empfehlungen zur Überwindung der Krise weist die Publikation auf die Notwendigkeit systemischer Transformationen hin, auf einen Übergang zu nachhaltigen Produktions-, Vertriebs- und Verbrauchsmodellen, die auf Solidarität, sozialer, ökologischer und geschlechtsspezifischer Gerechtigkeit und der Garantie aller Menschenrechte basieren.

International Climate Finance Mechanisms and Extraterritorial Human Rights Obligations: Status Quo and Future Prospects

Internationale Klima- und Finanzierungsmechanismen als Auslöser von Menschenrechtsverletzungen? Industrieländer finanzieren Klimaschutzinvestitionen in Entwicklungsländern, bei denen die lokale Bevölkerung und deren Rechte oft zur Nebensache werden. Der FIAN-Arbeitskreis Klima hat hierzu eine Studie veröffentlicht und verschiedene Klimaschutzinstrumente auf ihre menschenrechtliche Komponente hin untersucht.

Bericht Land-Forum

Das Land-Forum für Ernährungssouveränität fand von 25.-26.11.2016 im Rahmen des Projekts Hands on the Land for Food Sovereignty und Nyéléni Austria statt. Wir wünschen eine anregende Lektüre!

Veranstaltet wurde das Land-Forum für Ernährungssouveränität von FIAN Österreich, ÖBV-Via Campesina Austria, NEL- Netzwerk Existenzgründung in der Landwirtschaft, Verein RASENNA – Boden mit Zukunft und VHS – Die Wiener Volkshochschulen. An diesem Bericht mitgearbeitet haben Markus Löw, Bernadette Gugerell, Brigitte Reisenberger und Margit Fischer. Danke! Der Inhalt entspricht einer Zusammenfassung der Audio-Transkription. Die Abbildungen sind dem Graphic Recording, das von Anita Berner direkt vor Ort angefertigt wurde, entnommen.

Broschüre: Besser Anders, Anders Besser -Mit Agrarökologie die Ernährungswende gestalten

Die Broschüre "Besser anders, anders besser: Mit Agrarökologie die Ernährungswende gestalten" zeigt, dass Landwirtschaft und Ernährung anders, besser geht und informiert über praxiserprobte Alternativen, in denen großes Potenzial steckt. Im Fokus stehen Beispiele agrarökologischer Anbaumethoden, innovativer Vermarktungswege und Initiativen zur politischen Mitgestaltung des Ernährungssystems.

Der Konsens über die Bedeutung von Agrarökologie ist groß. Die verschiedenen Beiträge verdeutlichen, wie Bauern und Bäuerinnen mit agrarökologischen Anbauverfahren die Bodenfruchtbarkeit und natürliche Ressourcen schützen, die Vielfalt auf den Äckern und Tellern fördern, und wie durch innovative Vermarktungswege viele Menschen mit frischen und gesunden Lebensmitteln versorgt werden. Zivilgesellschaftliche Initiativen erlangen mehr Mitspracherechte in der Gestaltung lokaler Ernährungssysteme und entwickeln Ernährungspolitik mit.

Agrarökologie schafft Alternativen zur kapitalintensiven, von Konzerninteressen geleiteten industriellen und exportorientierten Landwirtschaft. Bauern und Bäuerinnen finden Anerkennung als zentrale Akteure im Ernährungssystem, man arbeitet mit der Natur statt gegen sie, lokale Märkte werden gestärkt und die Unabhängigkeit von Erdöl, Chemie und Gentechnik gefördert.

Die Broschüre arbeitet heraus, welche Alternativen bereits erfolgreich umgesetzt werden. Sie analysiert, welche politischen Instrumente nötig sind, um Agrarökologie zu unterstützen und weiter zu verbreiten, und lädt dazu ein, sich für eine sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Neuorientierung in der Landwirtschaft einzusetzen.

Die Broschüre "Besser anders, anders besser: Mit Agrarökologie die Ernährungswende gestalten" ist eine gemeinsame Publikation von Brot für Welt, FIAN, Forum Umwelt und Entwicklung, Heinrich-Böll-Stiftung, INKOTA-netzwerk, MISEREOR, Oxfam und Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Erscheinungsjahr: 2016

FOODFirst Magazin 2016/1

Dass es einer Kehrtwende der europäischen Agrarpolitik bedarf, zeigt sich in den letzten Monaten sehr drastisch an der Milchkrise. Märkte im Globalen Süden mit Exporten zu Dumpingpreisen anzuvisieren ist eine Sackgasse und gefährdet das Recht auf Nahrung. Heimische Bauern und Bäuerinnen – und ihre Kolleg_innen weltweit sind durch niedrige Preise zunehmend in ihrer Existenz bedroht. Um dem Lösungsvorschläge entgegenzusetzen haben wir mit der „Wir haben es satt“-Plattform die Agrarwende eingeläutet, sowie das bäuerliche Milch-Manifest unterstützt. Deswegen widmet sich das neue FOODFirst dem Thema "Agrarwende". Doch nicht nur in der Agrar- und Handelspolitik sollte der Menschenrechtsansatz verankert sein, auch für die Entwicklungspolitik muss er die entscheidende Grundlage sein. Wie schnell sich Institutionen aus der Verantwortung ziehen, zeigt sich auf traurige Weise am Beispiel des Addax-Falls in Sierra Leone. Dort wurden großen Landflächen zum Anbau von Zuckerohr zur Bioethanolproduktion für europäische Märkte verpachtet. Das durch Entwicklungsinstitutionen unterstütze Projekt erwies sich als nicht so rentabel wie geplant, nun sind die Menschen ohne Jobs, Geld und ohne Land zurückgelassen worden. FIAN begleitet den Fall seit drei Jahren und war Anfang April auf Recherchereise. vor Ort.

Tagungsdokumentation "Menschenrechte ins Ernährungssystem"

Am 16. Februar 2015 veranstalte FIAN mit und als Teil der „Wir haben es satt!“-Plattform die Tagung „Menschenrechte ins Ernährungssystem“. Nun ist unsere Tagungsdokumentation fertig:

Auf drei Panels zu Agrar-, Handels- und Entwicklungspolitik wurde über derzeitige Missstände im Ernährungssystem, sowie über Zukunftsvisionen und den Weg dorthin debattiert. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion ging es um aktuelle Spannungsfelder im Ernährungssystem zwischen Menschenrechten und Konzerninteressen.

Die Tagung war mit über 180 Teilnehmenden gut besucht. Das Publikum reichte von Studierenden über NGO-Mitarbeiter_innen, Umweltorganisationen, Bauern und Bäuerinnen bis hin zu Vertreter_innen aus dem EZA-Bereich.

Strategiewechsel: In landwirtschaftliche Alternativen investieren

Weitermachen wie bisher ist keine Option - dies war das Fazit, zu dem über vierhundert führende ExpertInnen dieser Welt nach einem dreijährigen globalen Beratungsprozess über die Situation der globalen Landwirtschaft gelangt waren. Angesichts der aktuellen Situation argumentiert der Weltagrarbericht (IAASTD), dass ein Paradigmenwechsel hin zu einer agroökologischen, multifunktionalen und widerstandsfähigen Landwirtschaft dringend notwendig ist, um den anhaltenden Krisen im Bereich Ernährung und Klima zu begegnen. Dieses Dossier nimmt den Ruf nach einem Paradigmenwechsel hin zu Investitionen in landwirtschaftliche Alternativen ernst, indem es ein Set von zehn Grundprinzipen aufzeigt, die nötig sind, um diese positiven alternativen Investitionen zu unterstützen und voranzutreiben.

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