Guarani-Kaiowá: Indigener bei gewalttätigem Polizeieinsatz ums Leben gekommen

Missionsrat für Indigene in Brasilien CIMI (Conselho Indigenista Missionário) berichtet von gewalttätigen Übergriffen der Militärpolizei 

Pressemitteilung von Cimi, gekürzt und übersetzt aus dem Portugiesischen - Die Originalfassung können Sie hier abrufen. Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass auf der Website der Pressemitteilung ein Video, sowie Fotos zu sehen sind, auf denen gewaltvolle Szenen sichtbar sind.

Am Mittwoch fand ein Angriff durch die Militärpolizei auf eine Indigene Wiederansiedlung in Mato Grosso do Sul statt, dabei wurde ein junger Guarani-Kaiowá erschossen. Nach Angaben der Gemeinde wurde auch eine Frau durch Schüsse am Bein getroffen und die Bergungshütten zerstört. Die Força Nacional, die sich aus Mitgliedern der verschiedenen Staatspolizeien zusammensetzt, war nicht in der Gegend.

Die Gewalt gegen die Guarani-Kaiowá begann im Morgengrauen, bereits am Dienstagabend (17.09.2024) wurde der bevorstehende Angriff in Videos, von Antônio João aufgenommen, bereits angekündigt. Die Angriffe gegen die Wiederansiedlung der Guarani-Kaiowá ereigneten sich am selben Ort, an dem die Indigenen am Freitag zuvor (13.09.2024) die vom Kollektiv für Solidarität und Engagement für die Guarani-Völker organisierte Menschenrechtsmission empfingen. Diese besuchte im Westen Paranás und Mato Grosso do Sul das indigene Land Nhanderu Marangatu, wo später der Angriff stattfand, sowie das Panambi – Lagoa Rica indigene Land in Douradina.

Nach Angaben der Indigenen befanden sich bei dem Angriff auf die Gemeinde sogenannte „Söldner“-Schützen bei der Militärpolizei. „Es war die Militärpolizei. Sie haben uns schon vor der Ankunft der Menschenrechtsmission angegriffen“, prangert eine interviewte indigene Frau an. So habe die Militärpolizei im indigenen Territorium Nhanderu Marangatu bereits am Donnerstag (12.09.2024) auf drei Indigene Menschen geschossen. Eine Frau befindet sich nach einer Verletzung durch eine scharfe Waffe am Knie nach wie vor im Krankenhaus, ihre Schwester und ein junger Mann wurden durch Gummigeschosse verletzt.

Am 10.09.2024, eine Woche vor dem Angriff, berichtete die Zeitung Campo Grande News, dass die Exhumierung des Leichnams des 42-jährigen Vitor Fernandes Guarani-Kaiowá für weitere Untersuchungen angeordnet wurde. Der Indigene Mann starb 2022 bei einem Angriff des Schockbataillons der Militärpolizei. Der Fall ereignete sich in Amambai, 351 Kilometer von Campo Grande entfernt, und wurde als „Guapoy-Massaker“ bekannt.

Die Guarani-Kaiowá im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul kämpfen seit Jahrzehnten für die Durchsetzung ihrer von der brasilianischen Verfassung garantierten Landrechte. Im Zuge der Ausbreitung des Zuckerrohr-, Mais- und Sojaanbaues sowie der Rinderzucht seit den 1970er Jahren wurden sie immer mehr von ihren traditionellen Gebieten vertrieben. Die landwirtschaftliche Mechanisierung und die Rodung der Wälder schränken den Lebensraum der Guarani-Kaiowá weiter ein. Zusätzlich zerstören die Monokulturen und die eingesetzten Pestizide die Biodiversität und damit die Lebensgrundlage der Indigenen. Der Verlust ihres Lebensraumes bedeutet eine Verletzung ihrer wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte. In einer aktuellen Studie stellte FIAN Brasilien fest, dass 77 % der befragten Gemeinden von Ernährungsunsicherheit betroffen sind und 34 % der Haushalte nicht über genügend Nahrungsmittel verfügen, um ihre Familien zu ernähren. FIAN begleitet die Gemeinschaften seit vielen Jahren in ihrem Kampf und setzt sich in diesem Fall besonders für eine Verbesserung des Landzugangs ein. Die Guarani-Kaiowá müssen sich wieder selbst ernähren können!

Mehr über die Arbeit von FIAN zu den Guarani-Kaiowá erfahren Sie hier.

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Der Fall des belgischen Landwirts Hugues Falys zeigt, dass die Klimakrise zunehmend als Frage von Menschenrechten vor Gericht verhandelt wird. Das Gericht hat die Klage des Landwirts gegen den Energiekonzern TotalEnergies für zulässig erklärt, das Urteil in der Sache wird für den 9. September 2026 erwartet. Das Gericht begründete dies damit, zunächst eine Entscheidung in einem parallelen Verfahren gegen TotalEnegies in Frankreich abwarten zu wollen.

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