CSW 2018: Frauen am Land verlangen Zugang zu Land und ihren Rechten

„Landgrabbing“ drängt Frauen an den Rand – Beispiel Sierra Leone.

(Wien, 07.03.2018) Am Land lebende und in der (Subsistenz-)Landwirtschaft tätige Frauen sind mit vielfachen Diskriminierungen konfrontiert, seien es soziale Normen, Praktiken oder Gesetze. Mit der Überwindung dieser Diskriminierungen und den Rechten von Frauen am Land befasst sich Die UN-Frauenstatuskommission sich in ihrer Konferenz vom 12.-23. März 2018 in New York.

Landfragen sind Machtfragen

„Frauen leisten den größten Anteil der Nahrungsmittelproduktion im Globalen Süden. Gleichzeitig sind 60 Prozent der weltweit von Hunger und Mangelernährung Betroffenen weiblich. Diese Ungleichheit hängt auch mit Landrechten zusammen“, erklärt Melanie Oßberger von FIAN, der Menschenrechtsorganisation für das Recht auf Nahrung. „Insbesondere durch exportorientierte Großprojekte werden Frauen an den Rand gedrängt und um ihre Existenzgrundlagen gebracht.“

In den Tank statt auf die Teller

Beispiel Sierra Leone: Bodenbesitz ist in diesem westafrikanischen Land extrem ungleich zwischen Männern und Frauen verteilt und konzentriert sich zunehmend in den Händen weniger Agrarkonzerne.
In Makeni, im Norden Sierra Leones, hatte der Schweizer Konzern „Addax BioEnergy“ im Jahr 2010 über 57.000 Hektar Land gepachtet und auf über 10.000 Hektar im großen Stil Zuckerrohr für die Ethanolproduktion angebaut – in erster Linie, um die Nachfrage nach Agrartreibstoffen in Europa zu befriedigen. Der Anbau von Zuckerrohr braucht viel Wasser, Dünger und Pestizide. Das laugt die Böden aus und macht sie unfruchtbar, auch jene rund um die Plantage. Zudem wurde die Trinkwasserversorgung der Dörfer beeinträchtigt. Die Frauen müssen immer weitere Wege zurücklegen, um Wasser zu holen. Mittlerweile wurde das Projekt inklusive Pachtverträge zu großen Teilen an den auf der Steueroase Mauritius ansässigen Konzern „Sunbird Bioenergy“ verkauft.

Hinter dem Rücken der Frauen

Die Pachtverträge wurden über die Köpfe der Frauen hinweg hinter verschlossenen Türen entschieden. Auch das Pachtgeld geht an die Männer. Darum fordern die Frauen jetzt Neuverhandlungen und haben Bäuer*innenorganisationen aufgebaut um sich Gehör zu verschaffen. Sie wollen das übrige Land bewirtschaften und somit Flächen wieder zurückgewinnen, die nach fünf Jahren Monokultur ausgelaugt sind und wieder brauchbar gemacht werden müssen. Außerdem fordern sie Investitionen für die Bäuer*innen und Unterstützung bei externen Inputs, feste Anstellungsverhältnisse und existenzsichernde Löhne für die lokale Bevölkerung.

„Wir fordern die österreichische Bundesregierung auf, dafür Sorge zu tragen, dass bei der Vergabe von Finanzmitteln an Unternehmen für Maßnahmen in Ländern des globalen Südens die Förderung von und der gleichberechtigte Zugang für Frauen gewährleistet sind.“, erklärt Anja Appel, Geschäftsführerin der Koordinierungsstelle der österreichischen Bischofskonferenz für Internationale Entwicklung (KOO). „Sowohl staatliche als auch private AkteurInnen tragen dafür Verantwortung, dass die sozialen und ökonomischen Rechte von Frauen nicht unterminiert werden“, so Edith

Schnitzer, Obfrau des entwicklungspolitischen Netzwerks für Frauenrechte und feministische Perspektiven, WIDE. „Das UN- CEDAW-Komitee hat in der Empfehlung Nr. 34 zu Frauen am Land klar gesagt, dass es eine Verantwortung aller Staaten gibt, dafür zu sorgen, dass alle ihnen zuzurechnenden AkteurInnen – auch international tätige Unternehmen – im Ausland (extraterritorial) die Menschenrechte von Frauen am Land nicht verletzen.“

FIAN-Factsheet zu den Auswirkungen von Land Grabbing in Sierra Leone auf Frauen.

Rückfragen:
Linnéa Richter, linnea.richter@fian.at, +43 (0)1/2350 239 12, +43 (0)650/4055511
Claudia Thallmayer, thallmayer@wide-netzwerk.at
Hannah Angerbauer, h.angerbauer@koo.at, +43 (0)1 317 30 73

Presseaussendung
von FIAN, WIDE und KOO

 

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