Filmverleihpaket: Lasst Blumen sprechen - Landnahme in Äthiopien. Rosen gegen den Hunger

Tilman Przyrembel, Sebastian Kuhn 21:00 Min Deutschland 2010 DE Äthiopien ist eines der fruchtbarsten Länder der Welt und doch hungert dort die Hälfte der Bevölkerung – das internationale Agribusiness aber verspricht der Regierung Hilfe im Kampf gegen Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger. Der Inder Sai Ramakrishna Karuturi hat 300.000 Hektar äthiopisches Land gepachtet, um dort hunderttausende Tonnen Agrarprodukte, Nahrungspflanzen und Blumen, anzubauen und zu ernten – und Arbeitsplätze zu schaffen.

Das erscheint auf den ersten Blick als ein überzeugendes Modell und deshalb haben wir unsere Reporter nach Äthiopien geschickt. Der Unternehmer Karaturi zeigte ihnen bereitwillig seine Farmen und seine Arbeitskräfte: Um Addis Abbeba herum ist er inzwischen der größte Farmbesitzer. 6.000 Menschen arbeiten dort für ihn, sie bauen Rosen an. „Es ist Gottes eigenes Land. Die Menschen hier sind sehr freundlich und arbeiten hart“, schwärmt er.

Doch nach dem offiziellen Besuch der Rosen-Gewächshäuser baten die Arbeiterinnen und Arbeiter vor Ort unser Reporter-Team um ein heimliches Treffen. Dort beklagten sie sich bitter: Die Regierung habe ihnen ihr Land genommen, um es an den Investor zu verpachten. Sie seien nun gezwungen für ihn zu arbeiten und verdienen dort weniger als vorher mit dem Erlös des eigenen Landes.

Der äthiopische Landwirtschaftsminister Abera Deresa verteidigte das Projekt vor unserer Kamera. Für ihn ist das Engagement der ausländischen Investoren die schnellste, effektivste und rentabelste Methode, Äthiopien von Hunger und Armut zu befreien.

In jedem Fall ist das „billige“ Land und die „preiswerten“ Arbeitskräfte überall in Afrika ein lohnendes Geschäft für Investoren. Es wird darauf ankommen, dass die Regierung in Äthiopien darauf achtet, bei allem Gewinnstreben, daraus auch einen Nutzen für ihr eigenes Volk herauszuholen.

Philippinen: „Agrarreform bleibt ein unerfülltes Versprechen“ – Interview mit Joseph Purugganan

Die vorherrschende Meinung sieht drei Hauptgründe für die anhaltenden Ernährungsprobleme: die COVID-Pandemie, den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und den Klimawandel. Joseph Purugganan hingegen bezeichnet die globale Ernährungskrise als eine Folge der industriellen Landwirtschaft. Purugganan koordiniert das Philippinen-Programm von Focus on the Global South. Die Organisation ist eng verbunden mit sozialen Bewegungen in Asien und entwickelt Konzepte für einen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Wandel.

Kambodscha: Präsident des Bauernverbands und Landrechtsaktivisten wegen Verschwörung angeklagt

Drei kambodschanische Menschenrechtsverteidiger wurden Anfang vergangener Woche festgenommen und wegen angeblicher Verschwörung gegen den Staat angeklagt. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft. In dem autoritär geführten südostasiatischen Land steht die Zivilgesellschaft massiv unter Druck; Menschenrechtsaktivist*innen werden immer wieder mit fabrizierten Anklagen überzogen und inhaftiert.

Mikrofinanzkrise: OECD-Beschwerde gegen Oikocredit

Mikrokredite entpuppen sich in Kambodscha seit Jahren als Schuldenfalle. Während sie europäischen Investoren Profite bringen, führen sie vor Ort zu Landverlust, Armut und Menschenrechtsverletzungen. Trotzdem hat der sogenannte „ethische“ Investor Oikocredit seine Investitionen in Kambodscha sogar noch erhöht. Drei NGOs legen daher nun Beschwerde gegen Oikocredit bei der OECD ein.

Kambodscha: Von deutscher Bundesregierung geförderte Studie bestätigt gravierende Probleme im Mikrokreditsektor

Eine vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte Studie bestätigt das Problem der weitverbreiteten Überschuldung in Kambodscha durch Mikrokredite. Dieses führt zu einer „bedenklich hohen“ und „nicht akzeptablen“ Zahl von Landverkäufen. Wichtige Geber des kambodschanischen Mikrofinanzsektors sind verschiedene europäische und multinationale Entwicklungsbanken sowie private „ethische“ Investoren wie Oikocredit, Triodos Bank, Invest in Visions, Vision Microfinance und mit kleineren Beträgen die Bank im Bistum Essen und GLS Bank.
 

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