Böden aufbrechen! Land-Forum für Ernährungssouveränität

Mit Ana González, EHNE-Bizkaia (Baskenland), René Tettenborn, Ökonauten eG (Deutschland), Sjoerd Wartena, Terre de Liens (Frankreich), Sylvia Kay -Transnational Institute TNI (Niederlande) u.v.m.

Immer mehr Menschen werden gemeinsam gegen die steigende Landkonzentration in Europa aktiv. Das Land-Forum ist ein Austausch- und Vernetzungstreffen für all jene, die sich für demokratische, ökologische und sozial gerechte Zugangs- und Nutzungsformen von Land einsetzen. Der Zugang zu Land ist eine Grundvoraussetzung für das Menschenrecht auf Nahrung und Ernährungssouveränität.

Fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe in Europa bewirtschaften weniger als zwei Hektar. Sie kontrollieren gemeinsam aber nur zwei Prozent der landwirtschaftlichen Flächen. Kleinbäuer*innen werden mit rasender Geschwindigkeit verdrängt. Dem gegenüber kontrollieren gerade drei Prozent der (Groß)Grundbesitzer*innen die Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen in Europa. Gleichzeitig ist der Zugang zu Land für angehende Bäuer*innen so schwierig wie nie. All das sind zusammenhängende Phänomene. Nicht nur Produktion, Verteilung und Konsum von Lebensmitteln müssen hinterfragt werden, sondern auch dahinter liegende Eigentumsverhältnisse. Ungleiche (Macht)Verhältnisse sind Grund für die aktuellen Entwicklungen in der Agrar- und Bodenpolitik, die vor allem der Agrarindustrie in die Hände spielen.

Im 2-tägigen Land-Forum für Ernährungssouveränität wollen wir zu folgende Fragen diskutieren und arbeiten: Welche politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen bewirken die zunehmende Landkonzentration weltweit, in Europa und in Österreich? Welche rechtlichen, politischen und praktischen Ansätze gibt es, um das Recht auf Land anzuerkennen, zu schützen und zu gewährleisten? Wie funktionieren gemeinschaftsgetragene Zugangsformen bereits? Was können wir von anderen europäischen Initiativen lernen? Wie wollen wir unsere Aktivitäten in Österreich bündeln und stärken?

Informationen zu den internationalen Gästen
PROGRAMM-PDF

 

Tagung  

 

| inhaltliche Kompetenzen stärken | gemeinsames Verständnis schaffen | Vernetzung von Initiativen verbessern |

Freitag 25.11.2016 (13:00-20:00)
in der VHS Ottakring | 16., Ludo-Hartmann-Platz 7

 

13:00-13:30 Begrüßung, Einführung

Film-Clip: Hands on the Land for Food Sovereignty (8min)
Willkommensworte: Ilkim Erdost, Direktorin der VHS Ottakring 
Vorstellung Ziele und Programm: Brigitte Reisenberger - FIAN Österreich, David Jelinek - ÖBV-Via Campesina Austria, Margit Fischer – Rasenna, Isabella Lang - NEL, Maria Legner – Nyéléni Austria

 

13:30-15:30 Panel 1: Land in welcher Hand?!

Welche politischen und wirtschaftlichen Dynamiken bewirken die zunehmende Landkonzentration weltweit, in Europa und in Österreich? Wie begegnen landwirtschaftliche Neueinsteiger*innen oder Bäuer*innen ohne Hofnachfolge der Landfrage? Wie können Zugangsrechte von Frauen gestärkt werden? Welche politischen und praktischen Ansätze gibt es, um das Recht auf Land (in der Stadt und am Land) zu verwirklichen?

•    Isabella Lang, NEL - Netzwerk Existenzgründung in der Landwirtschaft
•    Julianna Fehlinger, ÖBV-Via Campesina Austria
•    Sarah Kumnig, Universität Wien (Green Urban Commons)
•    Sylvia Kay, Transnational Institute - TNI (Agrarian Justice Programm, Hands on the Land-Kampagne, Niederlande)
•   Maria Vogt, ÖBV-Via Campesina Austria (Biobäuerin aus dem Weinviertel)

Moderation: Lisa Bolyos

 

15:45-16:45 Exkurs zum rechtlichen Status quo in Österreich

Wie funktionieren Raumordnungsrecht und Grundverkehrsrecht?

•    Arthur Kanonier, Technische Universität Wien (Fachbereich Bodenpolitik und Bodenmanagement)
•    Franz Staudinger, Landwirtschaftskammer Oberösterreich (Fachabteilung Recht)

 

17:00-18:45 Panel 2: Mit Recht zu Land?!

Welche Rolle spielen rechtliche Rahmenbedingungen für Landkonzentration und zunehmende nicht-landwirtschaftliche Nutzung von Land? Wie kann der lokale und nationale rechtliche und institutionelle Rahmen im Sinne demokratischer, ökologischer und sozial gerechter Zugangs- und Nutzungsformen von Land verändert werden? Wie können (menschen)rechtliche Instrumente wie die „Rechte von Kleinbäuer*innen“ oder die FAO-Land-Leitlinien das Recht auf Land voranzutreiben? Welche Erfolge können Rechtsformen wie gemeinnützige Stiftungen oder Genossenschaften bringen?

•    Ana González, EHNE-Bizkaia - baskischer Bäuer*innenverband (Mitglied Via Campesina Europa)
•    Brigitte Reisenberger, FIAN Österreich
•    Margit Fischer, Rasenna - Boden mit Zukunft 
•    René Tettenborn, Ökonauten eG (genossenschaftlich organisierte Landwirtschaft, Deutschland)
•    Sjoerd Wartena, Terre de Liens (Verein und Stiftung für Landzugang, Frankreich)

Moderation: Ludwig Rumetshofer

 

18:45-20:00 Gemeinsam aktiv werden!?

Beim Ausklang mit Essen und Trinken gibt es im „Markt der Initiativen” die Möglichkeit mit anderen aktiven Menschen ins Gespräch zu kommen.

 

Arbeitsgruppen

 

| vertiefenden Erfahrungsaustausch ermöglichen | gemeinsame Strategien erarbeiten | zukünftige Aktivitäten planen |

Samstag 26.11.2016 (09:00-17:30)
in der VHS Penzing | 14., Hütteldorfer Straße 112

 

9:00-9:30 Willkommen - Vorstellung der Arbeitsgruppen

Insgesamt gibt es vormittags und nachmittags sieben Kleingruppen-Einheiten. Fünf sind bereits belegt, zwei im Sinne von „Open Space“ noch frei gehalten. Wir bitten interessierte Arbeitsgruppenanbieter*innen bis 17.11.2016 ihre inhaltlich zum Land-Forum passende Workshopidee bei office@fian.at zu deponieren. Wir melden uns dann umgehend.

 

9:30-12:15 Vormittagsblock Arbeitsgruppen

AG 1: Die FAO-Leitlinien zum Zugang zu Land als praktisches Werkzeug und Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit lokalen Behörden. (Teil 1 vormittags + Teil 2 von 13:45 - 16:30)

Die FAO-Leitlinien zum Zugang zu Land (FAO-CFS Tenure Guidelines) bieten eine breite  Analysebasis für bestehende Probleme in der Landverwaltung und sind ein legitimiertes Instrument, um aktuelle Politiken und rechtliche Rahmenbedingungen sowohl auf lokaler, nationaler als auch auf EU-Ebene zu überarbeiten. Sie beinhalten einige Elemente dafür, wie Reformprozesse aussehen sollen. Im Baskenland werden bereits erfolgreich Ansätze praktisch umgesetzt.

Workshopleitung: Sylvia Kay -Transnational Institute (TNI), Ana González - EHNE-Bizkaia, Brigitte Reisenberger - FIAN Österreich
Workshopsprache: Englisch

AG 2: Land als Commons - Einführung in Geschichte und Praxis der Commons und Commons als Schlüssel zu Land

Das alte Konzept der Commons wird angesichts der zunehmenden Konflikte um Land neu entdeckt. In dem Workshop gehen wir den Fragen nach, was Commons sind, wie sie funktionieren und warum sie immer von Einhegungen bedroht sind. Die Einhegung der Commons hat eine lange Geschichte, die immer von Machtinteressen geleitet ist. Anhand verschiedener Beispiele aus der Geschichte und verschiedenen Teilen der Welt diskutieren wir die Funktion von Landcommons für die Absicherung der Existenz und warum Privateigentum dafür nicht immer die beste Form ist.

Workshopleitung: Brigitte Kratzwald - commons.at und Margit Fischer - Rasenna

AG 3: Mit Vermögenspools Land sichern und Ernährungssouveränität aufbauen

Der Vermögenspool ist ein Werkzeug für solidarisches Wirtschaften. Dabei fließen Geld, Realvermögen und Werkleistungen von Menschen, Unternehmen und Organisationen zinsenfrei zusammen, um z.B. die Anschaffung von Grund und Gebäuden zu ermöglichen. So wird auf legale Weise Vermögen gebildet, in seinem Wert erhalten und im Grundbuch gesichert. Mit Hilfe von Vermögenspools kann dem Land-Grabbing der kapitalistischen Finanzindustrie entgegengewirkt und Land für Kleinbauern, für neue Subsistenzwirtschaften, für CSA-Communities, u.a. die zu Ernährungssouveränität beitragen, zur Verfügung gestellt und gesichert werden!

Workshopleitung: Markus Distelberger - www.vermoegenspool.at

 

12:15-13:45 Mittagspause

 

13:45-16:30 Nachmittagsblock Arbeitsgruppen

Fortsetzung AG 1: Die FAO-Leitlinien  zum Zugang zu Land als praktisches Werkzeug und Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit lokalen Behörden.

AG 5: Hofbörse - Perspektive Landwirtschaft

In diesem Workshop wird die Hofbörse „Perspektive Landwirtschaft“ vorgestellt. Gemeinsam werden in Kleingruppen einzelne Aspekte und Funktionen daraus evaluiert und Feedback über die bereitgestellten Informationen sowie die Verständlichkeit der Struktur der Plattform gewonnen. Der Workshop soll sich in erster Linie an Menschen richten, die sich mit dem Thema außerfamiliäre Hofübergabe beschäftigen oder praktische Erfahrung in den Bereich haben.

Workshopleitung: Johann Gangl und Karin Okonkwo-Klampfer, NEL - Netzwerk Existenzgründung in der Landwirtschaft

AG 6 und 7: Zwei Arbeitsgruppen-Einheiten am Nachmittag werden im Sinne von „Open Space“ bis 17.11.2016 vergeben.

 

16:45-17:30 „Ernte“ und Ausblick

Mit Hilfe der „Fishbowlmethode“ wollen wir erarbeitete Inhalte und geplante Aktionen wieder in die große Gruppe tragen. Wie wollen wir (gemeinsam) weiter tun?

 

Deutsch und Englisch werden als Sprachen angeboten! Anmeldung mit Arbeitsgruppenpräferenz (begrenzte Teilnehmer*innenzahl) und Sprache bitte unbedingt bei office@fian.at | Die Teilnahme ist kostenlos!

Im Rahmen des Projekts „Hands on the Land for Food Sovereignty“ und Nyéléni Austria. Veranstaltet von FIAN Österreich, ÖBV-Via Campesina Austria, NEL- Netzwerk Existenzgründung in der Landwirtschaft, Verein RASENNA – Boden mit Zukunft, VHS – Die Wiener Volkshochschulen.

 

Philippinen: „Agrarreform bleibt ein unerfülltes Versprechen“ – Interview mit Joseph Purugganan

Die vorherrschende Meinung sieht drei Hauptgründe für die anhaltenden Ernährungsprobleme: die COVID-Pandemie, den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und den Klimawandel. Joseph Purugganan hingegen bezeichnet die globale Ernährungskrise als eine Folge der industriellen Landwirtschaft. Purugganan koordiniert das Philippinen-Programm von Focus on the Global South. Die Organisation ist eng verbunden mit sozialen Bewegungen in Asien und entwickelt Konzepte für einen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Wandel.

Kambodscha: Präsident des Bauernverbands und Landrechtsaktivisten wegen Verschwörung angeklagt

Drei kambodschanische Menschenrechtsverteidiger wurden Anfang vergangener Woche festgenommen und wegen angeblicher Verschwörung gegen den Staat angeklagt. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft. In dem autoritär geführten südostasiatischen Land steht die Zivilgesellschaft massiv unter Druck; Menschenrechtsaktivist*innen werden immer wieder mit fabrizierten Anklagen überzogen und inhaftiert.

Mikrofinanzkrise: OECD-Beschwerde gegen Oikocredit

Mikrokredite entpuppen sich in Kambodscha seit Jahren als Schuldenfalle. Während sie europäischen Investoren Profite bringen, führen sie vor Ort zu Landverlust, Armut und Menschenrechtsverletzungen. Trotzdem hat der sogenannte „ethische“ Investor Oikocredit seine Investitionen in Kambodscha sogar noch erhöht. Drei NGOs legen daher nun Beschwerde gegen Oikocredit bei der OECD ein.

Kambodscha: Von deutscher Bundesregierung geförderte Studie bestätigt gravierende Probleme im Mikrokreditsektor

Eine vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte Studie bestätigt das Problem der weitverbreiteten Überschuldung in Kambodscha durch Mikrokredite. Dieses führt zu einer „bedenklich hohen“ und „nicht akzeptablen“ Zahl von Landverkäufen. Wichtige Geber des kambodschanischen Mikrofinanzsektors sind verschiedene europäische und multinationale Entwicklungsbanken sowie private „ethische“ Investoren wie Oikocredit, Triodos Bank, Invest in Visions, Vision Microfinance und mit kleineren Beträgen die Bank im Bistum Essen und GLS Bank.
 

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