Die Rechte auf Wasser und Land, ein gemeinsamer Kampf

Weltsozialforum Tunis Das Weltsozialforum von 24. - 28. März 2015 in Tunis war ein zentraler Schritt hin zu einer weltweiten zivilgesellschaftlichen Allianz, die Kämpfe um Wasser und Land stärker als zuvor vereint.

In Tunis waren Land und Water Grabbing dieses Jahr in aller Munde. Denn: Wasser und Land sind zu lukrativen Investitions- und Spekulationsobjekten geworden. Die zunehmende Privatisierung von Land und Wasser entzieht vielen ländlichen Gemeinden den Zugang zu  jenen natürlichen Ressourcen, die ihre Lebensgrundlage darstellen. Staaten versagen darin, die Menschenrechte zu respektieren, zu schützen und zu gewährleisten; private Investor_innen übernehmen Gemeingüter und Entscheidungsfindungsprozesse, was zum Ausschluss der Rechteinhaber_innen führt. Der Profit von Eliten beruht auf systematischen Verletzungen der Menschenrechte von Kleinbäuer_innen, Bewohner_innen informeller Siedlungen und Slums, Fischer_innen, Hirt_innen, Nomad_innen, indigenen Gemeinschaften, Arbeiter_innen und Konsument_innen in der Stadt und am Land, speziell von Frauen und der Jugend. FIAN International, FIAN Belgien und FIAN Österreich waren in Tunis beim Weltsozialforum und unterstützten die Zusammenarbeit weltweiter sozialer Bewegungen, Graswurzelinitiativen und ihren Verbündeten, die sich für die Rechte auf Land und Wasser genau dieser besonders von Diskriminierungen betroffenen Bevölkerungsgruppen engagieren.

Die in Tunis neu gestärkte Allianz geht zurück auf das Afrikanische Sozialforum im Oktober 2014. Basierend auf den dortigen Diskussionen hat FIAN zusammen mit einer Kerngruppe aus sozialen Bewegungen und Organisationen am Weltsozialforum in Tunis den “Space of Convergence of Land and Water Struggles” mitangeleitet. Die Kerngruppe besteht aus La Via Campesina, dem World Forum of Fisher Peoples (WFFP), Convergence Malienne contre l’Accaparement des Terres (CMAT), Habitat International Coalition (HIC), Coalition for the Protection of Africa's Genetic Heritage (COPAGEN), Friends of the Earth International, Southern African Rural Women’s Assembly, GRAIN, COSPE, Comitato Italiano Contratto Mondiale sull'Acqua (CICMA), Transnational Institute (TNI), Terra Nuova, Focus on the Global South und FIAN International.

In den vier Tagen am Forum gab es drei gemeinsame Sessions, sowie eine große abschließende Versammlung der Allianz. Zusätzlich fanden eine Reihe weiterer Workshops und Treffen statt, in denen es Raum gab, Erfahrungen von konkreten Kämpfen um Land und Wasser zu teilen, zu diskutieren und Strategien auszutauschen. Die Diskussionen zeigten, dass Land, Wasser und Ressourcen Grabbing viele unterschiedliche Formen haben, aber untrennbar miteinander verbunden sind. Das Teilen von Ideen und Erfahrungen stärkte das Erkennen sowie die Anerkennung dieser Verknüpfung und die Solidarität über Sektoren, Gruppen und Grenzen hinweg. Was sich durch alle Diskussionen zog, war die Tatsache, dass Menschenrechtsverteidiger_innen – Aktivist_innen und Organisationen – die zu Land, Wasser, Saatgut und anderen natürlichen Ressourcen arbeiten - mehr und mehr kriminalisiert und bedroht werden. Die im Geist der Solidarität geführten Diskussionen von hunderten Aktivist_innen in Tunis führten zur gemeinsamen Deklaration “Die Rechte auf Wasser und Land, ein gemeinsamer Kampf! Von Dakar nach Tunis: Deklaration der weltweiten Allianz der Kämpfe um Land und Wasser.” Die Deklaration ist begründet in den Menschenrechten, Ernährungssouveränität und in den Kämpfen sozialer Bewegungen. Die Deklaration beinhaltet das gemeinsame Verständnis der Allianz und soll dazu dienen, den Prozess zu einer starken, vereinten Bewegung für den Zugang und die Kontrolle über natürliche Ressourcen für Menschen, nicht für Profitinteressen,  zu kräftigen. Die Allianz wird sich gemeinsam einsetzen für Politiken basierend auf den Menschenrechten auf Nahrung, Wasser, Land und Saatgut. Die Allianz wurde auch gebildet, um sich gemeinsam gegen andere Initiativen und Netzwerke zu stellen, die in den letzten Jahren aus Multistakeholder-Ansätzen entstanden sind und Antworten auf Land und Ressourcen Grabbing vorantreiben, welche die Forderungen von legitimen Rechteinhaber_innen und Investor_innen auf die gleiche Stufe stellen oder letztere sogar privilegieren.

FIAN ruft soziale Bewegungen, Organisationen, Basisinitiativen, Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen in Österreich und weltweit auf, die Deklaration zu unterzeichnen, sie in die Regionen zu tragen und sich aktiv an der Gestaltung der Allianz zu beteiligen. Die Allianz ist überzeugt, dass der Kampf für Land und Wasser und gegen die Kriminalisierung von Aktivist_innen und Menschenrechtsverteidiger_innen ein globaler ist. Zugang zu und Kontrolle über Land und Wasser sind zentral für die Verwirklichung grundlegender Menschenrechte und ein Leben in Würde für alle.

Die Erklärung „Rights to Water and Land, a Common Struggleund hier zum Unterzeichnen.

Fotos vom Weltsozialforum in Tunis

 

 

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Mohamed Conteh zu Gast in Wien

Bis heute leidet die Bevölkerung im sierra-leonischen Makeni unter den negativen Folgen eines einstigen Vorzeigeprojekts europäischer Entwicklungsbanken, darunter auch der österreischen OeEB. In der vergangenen Woche war der sierra-leonische Aktivist Mohamed Conteh in Wien zu Gast und versuchte gemeinsam mit FIAN bei Politik und Öffentlichkeit auf den Fall aufmerksam zu machen.

Film: Der Fall Mubende

Im August 2001 wurden im Distrikt Mubende in Uganda 4.000 Menschen von ihrem Land vertrieben, um Platz zu schaffen für eine neue Plantage der „Neumann Kaffee Gruppe“ aus Hamburg, dem weltweit führenden Rohkaffee-Händler. Ugandische Soldaten walzten in vier Dörfern Häuser und Hütten nieder, zerstörten Felder und Lebensmittelvorräte. In Folge der gewaltsamen Räumung starben mehrere Menschen.

Bericht: Land-Forum "Böden aufbrechen"

Endlich ist der Bericht des Land-Forums fertig. Das Land-Forum für Ernährungssouveränität fand von 25.-26.11.2016 im Rahmen des Projekts Hands on the Land for Food Sovereignty und Nyéléni Austria statt. Wir wünschen eine anregende Lektüre!

Land - In wessen Hand?

Wem gehören Wald, Wiesen und Äcker in Österreich? Eine nicht einfach zu beantwortende Frage, denn die Datenlage ist von Intransparenz entlang der Interessen von Großeigentümer*innen gekennzeichnet. Fest steht, Reichtum in Form von Grund und Boden konzentriert sich zunehmend in den Händen Weniger.

ARTE Doku "Kampf ums Land"

„Was passiert gerade in Osteuropa – steht der Osten vor dem Ausverkauf? Denn branchenfremde Investoren kaufen zunehmend Land in den östlichen EU-Mitgliedsländern. Von Landgrabbing ist deshalb schon die Rede, direkt vor unserer Haustür.“

Boku-Kino: Landraub

Film mit Diskussion Ackerland wird immer wertvoller und seltener. Jedes Jahr gehen weltweit etwa 12 Millionen Hektar Agrarfläche durch Versiegelung verloren. Nach der Finanzkrise 2008 hat das globale Finanzkapital die Äcker der Welt als Geschäftsfeld entdeckt. Mittels Landraub sichern sich die Reichsten der Welt den Zugriff auf die wichtigste Ressource dieser Welt.

Filmstart: Landraub

Investitionen in den Hunger stoppen Wien, 11.9.2015 - Anlässlich des Kinostarts des Dokumentarfilms „Landraub – Der Film“ am 18.9. kritisiert FIAN Österreich fatale Investitionen in den Hunger. Der Film erzählt von den Folgen des globalen Landraubs und lässt die Verlierer_innen hinter den Landdeals zu Wort kommen. Zu vielen im Film thematisierten Fällen ist FIAN aktiv – in Sierra Leone, Kambodscha oder Rumänien. In Kooperation mit den Filmtagen Hunger.Macht.Profite. werden in ausgewählten Kinos Filmgespräche mit FIAN Österreich angeboten, um über die Hintergründe von Land Grabbing sowie Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Landraub – Filmscreenings Hunger.Macht.Profite

In Kooperation mit den Filmtagen Hunger.Macht.Profite. läuft der Film „Landraub“ ab 18. September österreichweit in ausgewählten Kinos mit anschließenden Filmgesprächen. Ihr seid eingeladen mit Impulsgeber_innen über Hintergründe und Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren. Alle Kooperationsveranstaltungen mit Filmgesprächen findet ihr unter www.hungermachtprofite.at/Landraub

Philippinen: Teilerfolg bei Landumverteilung

Die philippinische Regierung hat sich dazu verpflichtet, die Umverteilung der Landfläche der Hacienda Matias auf der philippinischen Halbinsel Bondoc zu beschleunigen. Am 2. Juli wurde die Umverteilung zugunsten eines Teils von Bäuerinnen und Bauern fortgesetzt, die seit 2004 Anspruch auf das Land haben. Dadurch soll deren Recht auf Nahrung gewährleistet werden. Trotz dieses Teilerfolges, ist die Umverteilung noch nicht abgeschlossen.

Filmverleihpaket: Lasst Blumen sprechen - Landnahme in Äthiopien. Rosen gegen den Hunger

Tilman Przyrembel, Sebastian Kuhn 21:00 Min Deutschland 2010 DE Äthiopien ist eines der fruchtbarsten Länder der Welt und doch hungert dort die Hälfte der Bevölkerung – das internationale Agribusiness aber verspricht der Regierung Hilfe im Kampf gegen Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger. Der Inder Sai Ramakrishna Karuturi hat 300.000 Hektar äthiopisches Land gepachtet, um dort hunderttausende Tonnen Agrarprodukte, Nahrungspflanzen und Blumen, anzubauen und zu ernten – und Arbeitsplätze zu schaffen.

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Filmverleihpaket: Die Jagd nach Land - Das globale Geschäft mit fruchtbarem Boden

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Filmverleihpaket: fronteira brasil - Kampf um Land in Mato Grosso

Festivalfassung: Faces of the Frontier von Thomas Marschall und Nikolaus Braunshör 52:00 Min Brasilien/Österreich 2008 portug OF dt synchron./en UT Mato Grosso – „der üppige Wald“ – ist jener Bundesstaat mit dem größten Agrarexportvolumen Brasiliens. Allem voran werden Soja als Futtermittel für die Viehzucht und Baumwolle für die Bekleidungsindustrie in die Länder Europas und Asiens exportiert. Im Dienste einer für globale Märkte produzierenden Agrarindustrie ist die Monokultur im Begriff, alle anderen Produktions- und Arbeitsweisen in der Region auszulöschen.

Kampagnenstart: „Hands on the Land“

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FIAN fordert von G8 Die G8 diskutieren derzeit eine 'Initiative zur größeren Transparenz von Landgeschäften und -nutzung', welche am kommenden G8 Gipfel im Juni 2013 eingeführt werden könnte. Diese Initiative wird Land- und Ressourcen Grabbing nicht stoppen. FIAN lehnt sie daher gemeinsam mit sozialen Bewegungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen weltweit ausdrücklich ab. Stattdessen rufen wir die G8 Mitglieder dazu auf, die Tenure Guidelines*, die vor einem Jahr UN-Welternährungsausschuss (CFS) verabschiedet wurden, umzusetzen.

Neue Studie: EU fördert Land Grabbing und Landkonzentration in Europa

17. April 2013 – Internationaler Tag des kleinbäuerlichen Widerstands Eine neue internationale Studie deckt auf: Land Grabbing ist nicht nur ein Problem des globalen Südens, sondern schreitet auch in Europa voran: Drei Prozent der Grundbesitzer kontrollieren die Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen in Europa. Diese „Landeliten“ werden im Rahmen der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik (GAP) aktiv durch öffentliche Gelder gefördert. Kleinbäuerliche Betriebe hingegen erhalten immer weniger Förderungen und werden zunehmend verdrängt.

Land Grabbing in Osteuropa

Die Rolle österreichischer Unternehmen Besonders in Osteuropa schreiten Landkonzentration und Land Grabbing rapide voran. Aktuelle Recherchen von FIAN Österreich zeigen: Auch österreichische Akteure mischen im Wettlauf um Land mit und eignen sich im großen Stil Land in Rumänien, Serbien und Ungarn an. Die Bäuerinnen und Bauern vor Ort profitieren vom Investitionsboom kaum, ganz im Gegenteil.

Land concentration, land grabbing and people’s struggles in Europe

The report, involving 25 authors from 11 countries, reveals the hidden scandal of how a few big private business entities have gained control of ever-greater areas of European land. It exposes how these land elites have been actively supported by a huge injection of public funds – at a time when all other public funding is being subjected to massive cuts.

Horn von Afrika: Landraub in der Hungerkrise

Neue Länderstudien veröffentlicht Obwohl Millionen Menschen chronisch hungern, wird fruchtbares Land in Äthiopien und Kenia an ausländische Investor_innen vergeben. Die beiden neu veröffentlichten Dossiers „Landnahme in Kenia“ und „Landnahme in Äthiopien“ stellen Land Grabbing in diesen nahrungsunsicheren Ländern auf den Prüfstand des Menschenrechts auf Nahrung.

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