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Vitamine aus dem Labor? – Das Geschäft mit der Mangelernährung

Nicht nur die Menge macht’s: Vor allem im Globalen Süden ist neben Hunger, Mangelernährung – also die Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen - weit verbreitet. Angereicherte Nahrungsmittel wie der gentechnisch veränderte und mit Vitamin A versetzte ‚Golden Rice‘ sollen laut zahlreicher Regierungen und Konzerne für mehr Nährstoffe auf dem Teller sorgen. Dass dieser Weg die Macht der Konzerne stärkt und Mangelernährung langfristig steigert, wird dabei gerne übersehen.

Vielfalt auf dem Teller

Die einfachste und gleichzeitig effektivste Methode, um Mangelernährung vorzubeugen, ist eine ausgewogene, natürliche Ernährung. Reichlich Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, etwas Milchprodukte, Fisch sowie Fleisch in Maßen oder alternativ Hülsenfrüchte versorgen die Menschen mit ausreichend Nährstoffen. Zusätzliche, künstliche Nährstoffe sind dafür nicht nötig, wie zahlreiche unabhängige Studien bestätigen.

Profite mit Mangelernährung

Transnationale Konzerne wie Monsanto, Nestlé oder Unilever haben das Thema Mangelernährung für sich entdeckt. Unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Mangelernährung in Ländern des Globalen Südens propagieren sie die Anreicherung von Grundnahrungsmitteln wie Mehl oder Reis mit künstlichen Vitaminen und Mineralstoffen – auch mit Hilfe von Gentechnik. Umstrittene Allianzen zwischen Konzernen, Regierungen und UN-Organisationen wie Scaling up Nutrition (SUN), Allianz für eine grüne Revolution in Afrika (AGRA) oder Global Alliance for Improved Nutrition (GAIN) ebnen dafür den Weg. Während die Konzerne mit Investitionsversprechen in Milliardenhöhe locken, passen die Regierungen im Gegenzug ihre Ernährungs- und Agrarpolitik an die Interessen der Großkonzerne an. Umstrittene Stiftungen wie die Bill & Melinda Gates Stiftung unterstützen die Vorhaben tatkräftig. So bekommen Monsanto, Cargill, BASF und Co. was sie möchten: Nie dagewesenen Einfluss auf öffentliche Politikbereiche, Zugang zu großen Anbauflächen, gelockerte Gesetzgebungen im Bereich Gentechnik und neue Absatzmärkte für Saatgut, Pflanzenschutzmittel und angereicherte Lebensmittel.

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Markt in Mosambik

Saatgutmarkt: Expansion in Afrika

Für die Expansionsvorhaben der Agrochemiekonzerne ist insbesondere der afrikanische Kontinent interessant: Rund 90 Prozent des verwendeten Saatgutes stammt dort (noch) aus der eigenen Ernte und lokalen Tauschkreisen. Mittlerweile sind aber bereits 37 afrikanische Länder Mitglieder der SUN-Initiative und bekennen sich zur vermehrten Förderung von zertifiziertem Saatgut in der Zukunft. Neben einer absehbaren Verdrängung traditionellen Saatgutes, unterläuft die Involvierung der transnationalen Konzerne den Kampf gegen Mangelernährung in vielfacher Weise: Die Vertreibung einheimischer Bäuerinnen und Bauern entzieht ihnen ihre Lebensgrundlage, intensiver Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln verschmutzt Böden, Luft und Wasser, Monokulturen laugen die Böden aus und reduzieren die Artenvielfalt, der Einsatz von Gentechnik und Agrarchemie führen zu gesundheitlichen Schäden, niedrige Löhne für die Arbeiter_innen in den Konzernen lassen die lokale Bevölkerung verarmen.

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Ocra

Ursachen bekämpfen

Will man Mangelernährung bekämpfen, muss der Zugang zu gesunder, vielfältiger Ernährung für alle gesichert sein. Kleinbäuerinnen und -bauern spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Durch sie wird die lokale Sortenvielfalt erhalten. Das Argument, dass gentechnisch veränderte Arten nährstoffreicher seien als traditionelle, ist nicht haltbar: Zum Beispiel gibt es in Indien einige rote Reissorten, die mehr Vitamin A als der gehypte, gentechnisch veränderte ‚Golden Rice‘ enthalten. Auch müssen die Rechte von Frauen im Zentrum einer nachhaltigen Lösung stehen. Sie sind einerseits - gemeinsam mit den Kindern - am meisten von Mangelernährung betroffenen und andererseits Schlüsselakteurinnen im Kampf gegen Mangelernährung. Mit dem Recht auf Nahrung bekämpft FIAN als Menschenrechtsorganisation daher die strukturellen Ursachen von Mangelernährung. FIAN fordert einen verbesserten Zugang zu Land, Wasser und Saatgut, existenzsichernde Löhne, die Ermächtigung von Frauen sowie die Förderung einer biologisch vielfältigen kleinbäuerlichen Landwirtschaft!

Dieser Text ist als Artikel in unserem FOODFirst Magazin 2/2016 zum Schwerpunkt Mangelernährung erschienen. Interesse bekommen? Bestellen Sie ein kostenloses Probeexemplar bei office@fian.at

Eine Auflistung un kurze Erklärung der einflussreichsten Allianzen finden Sie in unserem Artikel "Gefährliche Allianzen - Wer profitiert von Mangelernährung?"

Neue FIAN-Studie: Agrarökologie als Weg aus der Hungerkrise

Neue Studie von FIAN Österreich zeigt: Nur mit Vielfalt kann Hunger und Mangelernährung beendet werden. Agrarökologie verbessert die Ernährung, denn größere Vielfalt im Anbau bedeutet  auch eine größere Vielfalt auf dem Teller. Agrarökologie ist die Grundlage für die Überwindung der industriellen Landwirtschaft. Er steigert die Produktivität und schützt das Klima. Der ganzheitliche Ansatz rückt die kleinbäuerliche Landwirtschaft ins Zentrum. Durch bäuerliche Partizipation werden innovative Methoden entwickelt, um die Welt nachhaltig zu ernähren.

Mangelware Nährstoffe - Vielfalt statt Chemie!

Rund zwei Milliarden Menschen, mehrheitlich Frauen und Kinder im Globalen Süden, leiden an Mangelernährung. Sie haben nicht ausreichend Zugang zu nährstoffreicher, vielfältiger Nahrung. Doch die Zukunft der Welternährung ist nicht auf die Produktion von ausreichend Kalorien und Vitaminen zu reduzieren. Um Mangelernährung zu bekämpfen muss der Zugang zu gesunder, vielfältiger Ernährung für alle gesichert sein.

Gefährliche Allianzen – Wer profitiert von Mangelernährung?

Partnerschaften zwischen Regierungen, UN-Organisationen und Großkonzernen geben vor, Mangelernährung global bekämpfen zu wollen. Als Lösung propagieren sie die Anreicherung von Nahrungsmitteln mit Nährstoffen - oftmals mit Hilfe von Gentechnik. In der Praxis dienen diese Allianzen den Konzernen, um neue Anbauflächen und Märkte zu erschließen. Mangelernährung wird dadurch nicht bekämpft, sondern verstärkt. Im Folgenden listet FIAN die prominentesten dieser umstrittenen Allianzen auf.

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